Ferdinand Fernando: So sagt man die Wahrheit ueber Katalonien...
Ich bin Spanier. Ich habe fast 8 Jahre für ein deutsches Unternehmen in Katalonien gearbeitet. Die Situation ist viel komplexer als Oft dargestellt. Der Schlüssel für eine vernünftige Lösung liegt in allererster Linie bei der katalanischen Regionalregierung ( Generalitat ). Über Jahre haben die Nationalisten in Katalonien permanent eine Spanien-Aversion gezüchtet und die Zentralregierung für alle negativen Zirkumstanten in Katalonien verantwortlich gemacht. Den Kindern und Jugendlichen ( meine Kinder gingen dort zur Schule ) wird in den Schulen ein völlig partielles und ideologisch verzerrtes Bild der spanischen Geschichte und der spanischen Gegenwart gelehrt. Prospanische Schüler werden verspottet und isoliert. Mein 10-jähriger Sohn wurde kurz nach der WM 2010 von Jugendlichen angegriffen weil er das Trikot der spanischen Nationalmannschaft trug. Wenn Eltern wünschen, dass ihre Kinder auf spanisch unterrichtet werden, müssen sie diese vielerorts in einer Privatschule unterbringen. Geschäftsleute und Ladenbesitzer, die ihre Beschriftung nicht auf katalanisch darstellen, werden mit Bußgeldern geahndet. Als Spanischsprechender wird man zunehmend auch auf öffentlichen Ämtern diskriminiert. Hier ist systematisch eine Saat gesät worden, die immer mehr zu sprießen beginnt. Das ist die katalanische Realität. Die oft so detailliert dargestellten politischen und ökonomischen Motive sind eher von sekundärer Relevanz und dienen den nationalistischen Agitatoren lediglich als Instrumente zur Suggestion und Demagogie. Vielmehr geht es darum, Machtinteressen zu verfolgen und umzusetzen. Viele katalanische Politiker stecken bis zum Hals im Korruptionssumpf und werden von der spanischen Justiz verfolgt. Sie hoffen, durch eine Loslösung vom spanischen Staat und der damit verbundenen Änderung der juristischen Zuständigkeiten, unbehelligt oder mit milden Urteilen davonzukommen. Katalonien ist seit über 500 Jahren Teil des spanischen Staatsgebildes. Es war niemals unabhängig und es hatte niemals einen eigenen König. Millionen von Einwanderer aus ganz Spanien haben teils als billige Arbeitskräfte zum Wohlstand und zum Reichtum der Region beigetragen ( u.a. auch meine Eltern, die aus Andalusien kamen ). Dabei profitierte Katalonien schon immer und insbesondere zu Francos Zeiten von der geographischen und logistischen Nähe zu Resteuropa. 1978 haben die Katalanen die erste richtige demokratische Verfassung mitgetragen und dem Staat weitgehende Kompetenzen abgerungen. Katalonien hat heute schon einen Sonderstatus unter den spanischen Provinzen. Für das Thema "Recht auf Selbstbestimmung" ist in der spanischen Verfassung ein legaler demokratischer Ablauf verankert worden. Dieser sieht u.a. die Beteiligung des gesamten Volkes an solchen Prozessen vor. Eine Trennung Kataloniens von Spanien hätte schwerwiegende und weitreichende Folgen für alle Spanier, nicht nur für die Katalanen. Es liegt auf der Hand, dass an solch einem Prozess alle Bürger Spaniens beteiligt werden müssen. Es wäre ein fatales Signal der EU-Staaten, sich aus Solidarität mit dem voreilig definierten "vermeintlich Kleineren oder Schwächeren" für eine Lösung in deren Sinne auszusprechen. Vielmehr muss hier die Maxime lauten, den Separatisten klarzumachen, dass die einzig legitimen Instrumente zur Lösung interner Probleme die jeweilige Verfassung und die damit verknüpfte Gesetzgebung eines Staates sind. Es geht hier nicht nur um die Einigkeit Spaniens sondern von ganz Europa.
















